Die Anschläge von Fanatikern in New York, Madrid und London sowie der »Ehrenmord« an einer jungen Türkin in Berlin und der Karikaturenstreit haben den Blick auf die Muslime verändert. Über den Islam herzuziehen ist auch in Deutschland inzwischen Mode geworden, selbst wenn keine genauen Kenntnisse und persönlichen Erfahrungen vorliegen.
Dabei will die überwiegende Mehrheit der Muslime mit Terror und Gewalt nichts zu tun haben und folgt ganz anderen Maximen. In den vergangenen Jahren hat sich eine neue islamische Jugendbewegung gebildet, die sich als Gegenpol zu Al Qaida versteht: statt langer Bärte und Schleier trägt man Jeans und modische Kopftücher. An die Stelle von Terror sollen Fortschritt und Integration in die westlichen Gesellschaften treten. Die Stars dieser Pop-islamischen Bewegung sind Prediger, Musiker und Talkmaster. Sie regen die Jugendlichen dazu an, sich in der modernen Gesellschaft zu behaupten, zu engagieren und zugleich die Regeln eines konservativen Islams zu befolgen.
Julia Gerlach hat über Jahre in muslimischen Gruppen Deutschlands und der islamischen Welt recherchiert und zeichnet ein differenziertes Bild von der neuen Jugendbewegung und ihren politischen Vorstellungen. Sie plädiert vehement für eine Deeskalation in der öffentlichen Diskussion, für den Abbau der Konfrontation und eine Kooperation mit all jenen Kräften, die sich deutlich von der Gewalt distanzieren.
Julia Gerlach
Jahrgang 1969; Studium der Politik- und Islamwissenschaften in Aix-en-Provence, Berlin und Alexandria; Journalistin für das heute-Journal des ZDF, Die ZEIT, Berliner Zeitung und andere; mehrere Jahre lebte sie in Kairo und arbeitete dort für das ZDF-Studio; 2002 war sie Hospitantin beim Satellitensender Al Dschasira in Katar und hat 2003 aus der Krisenregion berichtet; seit 2004 arbeitet sie an einem Projekt über die arabische Jugend und ihre Sicht des Westens. Eine Ausstellung dazu war unter anderem im Internationalen Zentrum der Frankfurter Buchmesse 2005 zu sehen und wird nach weiteren Stationen in Deutschland und den USA im Herbst 2006 vom Goethe-Institut in den Golfstaaten präsentiert. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt a. M.
»Dieses Buch der Politik- und Islamwissenschaftlerin Julia Gerlach hebt sich positiv aus der Masse der Veröffentlichungen heraus und ist gerade auch für Muslime lesenswert. Abgesehen vom Inhalt auch deshalb, weil es mit einer vorbehaltsfreien und ziemlich objektiven Herangehensweise verfasst ist. (...) Der Stil des Buches ist flott und jugendlich, leicht lesbar und einer journalistischen Reportage ähnlich, und somit auch gerade für ein junges Publikum geeignet.« (Islamische Zeitung)